Tobias Kenia Bloghttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/de-deCreative Commons Attribution (CC by)mail@tobiaslohse.commail@tobiaslohse.comThu, 04 Sep 14 16:31:02 +0200http://feed2.w3.org/docs/rss2.html60http://www.tobiaslohse.com/kenya/styles/ressources/logo.pngTobias Kenia Bloghttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/100100Thu, 04 Sep 14 16:31:02 +0200Was bisher Geschahhttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2014-09-02Einige Zeit ist vergangen, seit ich hier zuletzt geschrieben habe. Wie ihr euch vielleicht erinnert, hatte ich im letzten Oktober zusammen mit meinem Freund Daniel ein Aufforstungs- und Entwicklungsprojekt im Marmanet Wald in Zentralkenia gestartet. Mittlerweile sind wir ein internationales Team von 14 jungen Menschen aus Kenia, Deutschland und den USA und nennen uns Kijani — das bedeutet Grün in Swahili.

Project Areas

Im letzten halben Jahr haben wir viel Arbeit mit der Projektplanung, dem Aufbau eines Partnernetzwerks, der Entwicklung einer Finanzierungsstrategie und dem Ausbau unseres Teams verbracht.

Die bisherige Entwicklung

Kijanis Vision ist es, einen Beitrag zu einer nachhaltigen und gerechten Welt zu leisten. Wir glauben, dass Waldregionen in Kenia nicht nur bedrohte Ökosystemen gehören, sondern auch ein enormes Potential für wirtschaftliche Entwicklung bieten. Daher wollen wir jungen Menschen aus der Region helfen, waldbasierte Geschäftemodelle zu entwickeln. Wir glauben, dass wir durch unser internationales und interdisziplinäres Team in der Lage sind, dies tatsächlich umzusetzen und dabei den internationalen Dialog zwischen jungen Menschen aus Kenia, Deutschland und den USA zu stärken, genauso wie wir es in unserem Team bereits tun.

Project Areas

Konkret haben wir in den letzten Monaten Kontakte zu den Menschen vor Ort in Marmanet aufgebaut und den Aufbau einer ersten Baumschule vorbereitet. In dieser Woche ist unser kenianisches Team vor Ort und befragt 300 Haushalte, um eine bessere statistische Grundlage für die Evaluation von nachhaltigen waldbasierten Geschäftsmodellen zu schaffen.

Village in Marmanet Deforestation in Marmanet

Außerdem haben wir ein weitreichendes Partnernetzwerk aufgebaut. Unter anderem arbeiten wir zusammen mit internationalen NGOs wie Plant for the Planet und haben gute Kontakte zum UNEP aufgebaut, zu wichtigen staatlichen Partnern in Kenia wie dem Umweltministerium und der Forstbehörde und zu Partnern in der Wissenschaft wie dem kenianischen Forstwissenschafts-Institut und der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Das ganze wird momentan hauptsächlich durch ehrenamtliche Arbeit finanziert, wir haben aber auch bereits erste Spenden über betterplace eingeworben.

Wenn ihr mehr im Detail über unser Projekt erfahren wollt, könnt ihr in unserer Projektbeschreibung nachlesen.

Wer ist Kijani?

Unzweifelhaft sind unsere kompetenten und motivierten Teammitglieder Kijanis größte Stärke: Daniel, mein Mitgründer, der die Arbeit vor Ort managt, bringt seine vielen Kontakte aus den USA und Kenia ein. Urs ist unser Forstexperte, der grade seinen Master in Yale abschließt, als Jugendvertreter im UN-Komitee für Wälder sitzt und sich ein Stipendium besorgt hat, um ab Oktober für drei Monate Vollzeit für Kijani in Kenia zu arbeiten. Mit David, der selbst im ländlichen Kenia aufgewachsen ist und Community-Development in Nairobi studiert, haben wir jemanden gefunden, der immer in der Lage ist die richtigen Worte im Dialog mit den Menschen vor Ort zu finden und mit dessen Humor es nie langweilig wird. Mit Armin haben wir einen versierten sozialen Unternehmer und Start-Up erfahrenen Lebenskünstler an Bord, der nie unsere Finanzen aus den Augen verliert und dafür sorgt, dass wir nicht nur Konzepte entwickeln, sondern uns auch auf die konkrete Arbeit konzentrieren. Denise — Doktorandin am Gründerzentrum der RWTH Aachen — und Thomas — Wirtschaftsberater bei EY — entwickeln unser Marketing und unsere Social Media Strategie. Dave, der bereits sehr erfolgreich eine NGO in Ostafrika aufgebaut hat, berät uns beim Projektmanagement. Unser Filmproduzent Jannis ist unglaublich gut darin hochkompetente Leute zu rekrutieren, sowohl aus seinem riesigen Bekanntenkreis als auch wildfremde Filmemacher in Kenia, wie Justin, der uns beim momentan laufenden Dreh unseres Werbevideos unterstützt. Dickens und Liz pflegen die Kontakte zu unseren Partnern, entwickeln die Konzepte vor Ort weiter und helfen überall aus, wo sie gebraucht werden. Zach und Kevin aus den USA haben mit mir das Design für Kijani erstellt und unterstützen mich beim Aufbau und der Pflege unserer Website. Unser angehender kenianischer Rechtsanwalt Haron hilft die gesetzlichen Hürden in Kenia zu umschiffen und unsere zwei Juristen Robin und Sascha tun das gleiche für uns in Deutschland, wo wir seit letzter Woche als e.V. registriert sind.

The Kijani Team

Die folgenden Bilder können euch einen kleinen Eindruck von den diversen Aktivitäten bei Kijani geben.

Dickens und ich mit Kindern in Marmanet: Kids in Marmanet

Daniel in Marmanet an einem kleinen Fluss, der unsere Baumschule mit Wasser versorgen wird: Daniel in Marmanet

Urs zusammen mit dem gesamten kenianischen Kijani Team und unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Ibrahim Omondi: Urs with Kenyan Team

Treffen mit Menschen vor Ort, David und Dickens schreiben fleißig die Ideen und Visionen mit. Community Meeting

David, Haron und Dickens mit dem lokalen Förster Lukas und zwei Rangern vor Ort im Marmanet Wald — die Gewehre sind zur Abschreckung von Elefanten und Holzdieben: Team in Marmanet

Ich beim Dreh unseres Werbevideos, welches kurz vor der Fertigstellung ist — also bleibt dabei: Crowdfunding Video

Die Gründungsmitgliederversammlung unseres deutschen Fördervereins letzte Woche. First Kijani Germany Assembly

Was für euch dabei ist

Eine Sache habe ich euch noch verschwiegen: Und zwar hatte Armin (nächstes Foto) bei der Suche nach innovativen Spendenkonzepten die Idee, das wir den Wald aus Kenia doch einfach nach Deutschland holen könnten. Das funktioniert, indem ihr als unsere Unterstützer Samen kenianischer Bäumen bekommen könnt, welche sich zu schönen Zimmerpflanzen heranziehen lassen.

Armin with Seedling

Wir haben in den letzten Monaten die ersten Samen importiert und erforscht, wie man Schirmakazien, Affenbrotbäume und Flammebäume unter einfachsten Bedingungen in deutschen Wohnzimmern heranziehen kann. Die Ergebnisse können sich mittlerweile sehen lassen.

Seedling

Das Ganze geht jetzt in die Beta-Phase, so dass ihr zu den ersten gehören könnt, die ein Bäumchen großziehen. Wir brauchen eure Unterstützung, damit das Projekt weiter gehen kann. Wenn ihr bereit seid, uns mit einem monatlichen Beitrag zu unterstützen oder Samen bekommen wollt, dann schickt eine Mail an spenden@kijani.co. Eine Einzelspende könnt ihr bequem hier online tätigen.

Außerdem könnt ihr uns helfen 10.000$ zu gewinnen, indem ihr für unseren Antrag bei Climate CoLab abstimmt. Dann haben wir eine gute Chance den Popular Choice Preis zu gewinnen.

Wir freuen uns über Anregungen von euch. Ihr könnt uns erreichen per Mail, auf Facebook oder Twitter. Außerdem muss euch das Ende dieses Blogs nicht zu sehr schmerzen, da es ab jetzt im Kijani Blog weiter geht.

Kijani Website

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Sat, 30 Nov 13 00:00:00 -0800Integrität, Kirche & Tanzenhttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-11-30Bevor ich vorerst Nairobi verlassen muss, wollte ich mir die Zeit nehmen, euch Diane und Ibrahim Omondi und ihre Geschichte kurz vorzustellen. Immerhin habe ich ein halbes Jahr lang mit ihnen zusammen gelebt und gearbeitet. Und ich will euch auch etwas über meine Kirchengemeinde erzählen und einen kleinen Einblick in den afrikanischen Gottesdienststil geben.

Diane & Ibrahim Omondi

1988 starteten Diane, die jüngste Tochter eines mennonitischen Pfarrers aus Ohio, und Ibrahim, der älteste von zehn Söhnen eines anglikanischen Laien-Pfarrers aus der Luo- Region, einen Bibelkreis in Nairobi. Über drei Jahrzehnte hin wächst dieser Kreis zu einer Kirche mit fast 200 Gemeinden in ganz Ostafrika an.

Diane and Ibrahim Omondi

Fotografie bei Debbi Omondi

Ibrahim begann mit 18 Jahren in Gefängnissen zu predigen und war ein passionierter Missionar in der ostafrikanischen Erweckungsbewegung. Als er 27 Jahre alt war, erhielt er ein Stipendium des Rosedale Bible Institute in Ohio und kam in die USA. Nach dem Abschluss dieses Programms erwarb er seinen Bachelor in Englisch am Goshen College und anschließend seinen Master in Kommunikationswissenschaften am Wheaton College.

Obwohl Diane ihre Jugendzeit in einer sehr monokulturellen Umgebung verbrachte, entwickelte sie schon früh ein Interesse an interkulturellem Austausch und internationaler Missionsarbeit. Mit 20 Jahren, während ihres Diakonie-Studiums am Goshen College, machte sie erste interkulturelle Erfahrungen während eines halbjährigen Aufenthalts in Costa Rica. Seit dieser Zeit wusste sie, dass sie ihr Leben internationaler Missionsarbeit widmen wollte.

Im Jahr 1981 predigte Ibrahim in einem Studentengottesdienstes in Goshen über Mission. Unter seinen Zuhörern war Diane, die von dem jungen und passionierten Afrikaner fasziniert war und mehr über Mission in Afrika erfahren wollte. Also trafen sich die beiden am nächsten Tag auf einen Kaffee, der ihr Leben verändern sollte. Die beiden wurden ein Paar und engagierten sich in der Jugendarbeit. Ein Jahr später begaben sie sich auf ihre erste gemeinsame Missionsreise nach Afrika. Der erste Einsatzort war ein Jugendcamp im Kongo. Danach wollten sie an einer Jugendkonferenz in Kenia teilnehmen. Aber als die Gruppe in Kenia ankam, ereignete sich der Putschversuch von 1982; Militärs hatten das Land für ein einige Tage unter Kontrolle und alles stand still. Ibrahim und Diane nutzten die Zeit, um Ibrahims Familie in Kitale zu besuchen und sich zu verloben.

Dieses Ereignis stellte die Weichen für ihren andauernden Einsatz gegen Korruption und für eine bessere politische Situation, mehr Integrität und Frieden in Kenia. 1984 kamen die beiden frisch verheiratet nach Kenia zurück und starteten eine christliche Zeitschrift, welche sich 'Beyond Magazine' nannte und einen deutlichen politischen Focus hatte. Während des repressiven Regimes von Präsident Moi rief dies viele Kontroversen hervor und als nach drei Jahren einer der Herausgeber ins Gefängnis geworfen wurde, sahen sie sich gezwungen, die Herausgabe der Zeitschrift zu beenden. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Gedanken gespielt, eine unabhängige christliche Kirche zu begründen und waren dazu mit DOVE International in Kontakt getreten. Es bot sich die Gelegenheit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Und so starteten sie einen Bibelkreis bei sich zu Hause, welcher sich nach einem Jahr zu einer Kirchengemeinde entwickelt hatte, die sich sonntags in einem kleinen Raum zum Gottesdienst versammelte. Von da an wuchs die Kirche sehr schnell. Schon bald wurden weitere Gemeinden in Uganda und anderen Teilen Kenias gegründet.

Diane und Ibrahim bekamen vier Kinder und die Kirche wuchs exponentiell als Laienbewegung mit einer auf persönlichen Beziehungen beruhenden Struktur. Diane wurde Ausbilderin für Montessory-Lehrer und -Lehrerinnen in Kenia und begann Kinderbücher zu schreiben, welche solide Werte und Integrität vermitteln. Einige dieser Bücher behandeln die Themen „Bäume pflanzen“ und „die Umwelt sauber halten“. Ibrahim wurde zum Vorsitzenden der Evangelischen Allianz von Kenya. Auch in dieser Position engagierte er sich weiterhin vehement gegen Korruption. Als Präsident Kibaki 2011 das Antikoruptions Kommittee einsetzte, wurde Ibrahim als Mitglied berufen. Diane und Ibrahim und ihre Kirche waren ein wichtiges Glied der Bewegung, welche Kenia nach den gewalttätigen Unruhen nach der Wahl im Jahr 2008 schließlich zum Frieden verhalf und die dafür sorgte, dass die Wahlen in diesem Jahr weitgehend friedlich verliefen. Nach drei Jahrzehnten ist die Kirche auf fast 200 Gemeinden in Afrika angewachsen und hat Missionare bis nach Indien ausgesendet.

Der Gottesdienst in DOVE Kawangware

Ich gehe mit Ibrahim und Diane zusammen zum Gottesdienst in Nairobi Kawangware. DOVE ist eine nicht denominelle Kirche: weder lutherisch, noch anglikanisch oder mennonitisch oder pfingstlerisch. Es ist aber eine sehr afrikanische Kirche: evangelikal, ziemlich charismatisch, politisch und sozial engagiert und sehr lebendig. Die Gemeindeglieder kommen aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten. Manche leben in den Slums und andere haben gut laufende Geschäfte in der Stadt. Wir haben häufig nationale und internationale Gastprediger, was ich meistens als sehr bereichernd empfinde. Hin und wieder begegnet man aber auch etwas seltsamen Missionaren aus dem Westen. Insbesondere in den letzten Monaten waren die Gottesdienste jedoch sehr gut und es ist ermutigend, das Engagement für Gerechtigkeit, Integrität und die Überwindung der Mentalität geboren aus Armut und Hoffnungslosigkeit zu sehen.

Es hat ein wenig gebraucht, bis ich mich an die Art des Gottesdienstes gewöhnt hatte und Teil der Gemeinschaft zu werden, aber mittlerweile fühle ich mich zu Hause und habe einige gute Freunde in der Gemeinde gefunden. Der Gottesdienst unterscheidet sich ziemlich von meinen bisherigen Erfahrungen. Üblicherweise beginnt er um 9 Uhr - wir kommen meist gegen 10 Uhr an - und geht über 4-5 Stunden. Es gibt eine Stunde Gebete und Fürbitte, eine Stunde "Worship", eine halbe Stunde Zeugnisse oder kulturelle Präsentationen und Abkündigungen, eine Stunde Predigt und eine weitere halbe Stunde Gebete für Gemeindemitglieder am Altar. Man kann das Ganze nicht so richtig beschreiben. Aber um euch eine etwas bessere Vorstellung zu geben, habe ich einen Teil des "Worship" für euch auf Video aufgenommen.

Es war inspirierend für ein halbes Jahr Teil dieser Gemeinde zu sein, auch wenn mir manches immernoch ein wenig seltsam vorkommt. Aber die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich fühle mich zu Hause.

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Wed, 06 Nov 13 00:00:00 -0800Nord Marmanet Aufforstungsprojekthttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-11-06Seit mein Freund Daniel vor einigen Wochen aus den USA nach Hause zurück gekommen ist, haben wir gemeinsam begonnen, an der konkreten Umsetzung eines Aufforstungsprojekts zu arbeiten. Ibrahim Omondi hatte von der Regierung 300 Hektar Land in Zentralkenia, nahe dem Mount Kenia, zur Aufforstung erhalten. Und mein Freund Daniel hatte im vergangenen Jahr mit UN Habitat an einem Arbeitsbeschaffungs-Programm für Jugendliche gearbeitet. Nun hatten wir die Idee, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die Umweltsanierung miteinander zu verbinden.

Old indigenous tree

Planungsphase mit Daniel

Ein paar hunderttausend Bäume zu pflanzen ist natürlich keine kleine Aufgabe. Also beschlossen wir zunächst einmal einen Plan für die Planungsphase zu erstellen. Gesagt getan, wir nahmen uns zwei Tage Zeit, einen Stapel Karteikarten und ein paar Stifte und begannen alle erdenklichen Aufgaben, die uns nötig erschienen, auf die Karteikarten zu schreiben und diese dann auf einem riesigen Blatt Papier auf dem Boden zu arrangieren.

Daniel arranging cards Tobias and Daniel brainstorming Tobias drawing connections

Alsbald identifizierten wir verschiedene Arbeitsbereiche: Definition grundlegender Werte, Öffentlichkeitsarbeit, Unternehmensstruktur, Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Finanzierung, Recherchearbeit und Gemeindeentwicklung. All diese verschiedenen Bereiche sollten schließlich in einem funktionsfähigen Geschäftsplan münden. Um das Ganze übersichtlicher zu gestalten, identifizierten wir noch Meilensteine und gaben uns Mühe, die Aufgaben zeitlich sinnvoll anzuordnen. Wer gerne einen genaueren Blick auf den Plan werfen möchte, kann durch Klicken des folgenden Bildes zu einer vergrößerten Version gelangen.

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Nachdem wir unseren Plan entworfen hatten, konnten wir mit der Umsetzung beginnen. In den letzten Wochen haben wir unsere Vision und unsere Ziele definiert, eine Gruppe von jungen Leuten aus Kenia und Deutschland zusammen gestellt, Kontakt zu einigen wichtigen Partnern mit Expertise in indigener Forstwirtschaft aufgenommen und haben den Projektstandort besucht.

Erste Standortbesichtigung

Vor zwei Wochen besuchte ich zusammen mit Ibrahim den potentiellen Projektstandort und traf die dort zuständigen Beamten des Kenya Forest Service (KFS).

Group Photo: Lucas, Ibrahim, Me, Daniel

Von Nairobi aus fuhren wir in vier Stunden nach Nyahururu, wo wir eine Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen trafen wir dann Daniel Nguyo, den stellvertretenden ökologischen Konservator des KFS für Laikipia county, und fuhren zum fünfzehn Minuten entfernten, ländlichen Marktplatz Kwa Wanjiku. Dort wartete der für Nord Marmanet zuständige Oberförster, Lucas Musasia, auf uns, der zusamme mit vier Rangern für die Verteidigung der verbliebenen Bäume gegen Holzdiebe verantwortlich ist. Von dort ging es zunächst weiter auf Schotterpisten durch die Flur und dann schließlich ohne jegliche Straße durch die Hügel, bis zum vorgesehenen Projektstandort.

Auf der folgenden Karte ist die ehemalige Fläche des Marmanet Waldes zu sehen und die zur Wiederaufforstung vorgesehene Fläche, welche im Ganzen sogar ungefähr 25 Quadratkilometer umfasst.

Map of the area

Der Marmanet Wald erstreckte sich vor Kenias Unabhängigkeit über mehr als 150 Quadratkilometer. In den 1980‘iger Jahren wurde er dann Opfer eines politischen Manövers. Kenias damaliger Präsident Daniel arap Moi, gab das Land an Mitglieder seines Stammes - Kalenjin aus dem Rift Valley. Im folgenden Jahrzehnt florierten die Geschäfte mit Feuerholz, Holzkohle, Bauholz und Möbeln. Das traurige Resultat dieser wenig nachhaltigen Wirtschaft war die Reduktion der Waldfläche auf 4 Hektar (0,04 Quadratkilometer), immer wieder auftretende Dürren und eine dramatische Arbeitslosigkeit als Folge des kompletten Zusammenbruchs der Holzindustrie. In den folgenden Jahren erholte sich das Land etwas, aber die indigenen Bäume können sich nicht großflächig von selbst wieder aussäen. Auf den Landesflächen, welche nicht dem Weizen- und Maisanbau oder als Weidefläche für Rinder und Ziegen dienen, wachsen heutzutage hauptsächlich Zypressen und allerlei Buschwerk. Auf diesem Land wollen wir mit der Wiederaufforstung beginnen. Das Land ist ziemlich hügelig und in einigen Bereichen gibt es noch kleinere Abschnitte indigenen Waldes, in welchem Elefanten, Paviane und verschiedene Vögel- und Insektenarten leben. Auf den folgenden Fotos sind die umliegenden Äcker und die entwaldeten Hügel zu sehen.

Surrounding farmlands Deforestated hills

KFS betreibt eine Baumschule nahe des Kwa Wanjiku Marktplatzes, in welcher sie hauptsächlich schnellwachsende Baumarten züchten, die von den umliegenden Bauern zur Feuerholzproduktion angepflanzt werden. Aber es werden schon einige indigene Baumsetzlinge produziert wie Zedern und Steineiben. Es gibt also einen Ansatzpunkt für das Projekt und mit harter Arbeit und ein wenig Segen können wir vielleicht tatsächlich ein paar hunderttausend Bäume in den nächsten Jahren pflanzen, um eine neue Grundlage für das wunderbare Ökosystem zu schaffen und den kommenden Generationen ein nachhaltiges Auskommen zu ermöglichen.

KFS Tree Nursery

Nyahururu liegt zwischen Mount Kenya und dem Nakuru Nationalpark und beherbergt die wunderschönen Thomson Wasserfälle, welche auf dem nächsten Foto zu sehen sind. Die Region hat also auch ein touristisches Potential. Wir hoffen, dass irgendwann ein Naturlehrpfad durch den Wald führen wird, auf dem sich Besucher über die Heilpflanzen des Waldes informieren und den Elefanten begegnen können. Und einige Unterkünfte und ein Restaurant sollten zum Verweilen einladen.

Thomson Falls

Weitere Fotos von unserem Besuch in Nord Marmanet sind auf flickr zu sehen.

Vision und Zielsetzung des Projekts

Es ist unsere Vision, durch großflächige Aufforstung in Kenia zur Wiederherstellung des lokalen Klimas beizutragen und einen signifikanten Beitrag zur globalen Emissionsminderung zu leisten. Dazu sollen skalierbare ökologisch und ökonomisch nachhaltige Wirtschaftsmodelle entwickelt und Emissionsausgleich angeboten werden. Die Wiederherstellung von Kenias Wäldern ist von essentieller Bedeutung für das Überleben des Viktoriasees und des Nils und die beste Methode um Dürrekatastrophen vorzubeugen. Weiterhin hat das Ökosystem dieser Wälder für den Artenschutz eine enorme Bedeutung, da es eine einzigartige Flora und Fauna beherbergt.

Eine nachhaltige Veränderung beruht auf einer Mentalitätsänderung in der Gesellschaft. Unser Projekt wird Arbeitsplätze für junge Kenianer und Kenianerinnen schaffen und damit zu einem nachhaltigen Wirtschafswachstum in Kenia beitragen und die Selbstachtung und Würde dieser jungen Menschen stärken. Projektbegleitend sollen Ausbildungsinitiativen in moderner Landwirtschaft, Grundlagen der Geschäftsführung und nachhaltiger Lebensweise angeboten werden, welche Integrität fördern und die jungen Menschen befähigen, Initiatoren einer nachhaltigen Entwicklung Kenias zu werden. 

Es ist aufregend bei einem so herausfordernden Projekt Verantwortung zu übernehmen und mit einer internationalen Gruppe von talentierten jungen Leuten zu arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch ein paar Jahre an diesem Projekt mitarbeiten werde.

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Mon, 28 Oct 13 00:00:00 -0700Mein erstes Videohttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-10-28Es tut mir leid, dass ich so lange nichts von mir habe hören lasse. Die letzten Wochen waren vollgepackt mit Erlebnissen und Aufgaben und ich hatte ein kleines Inspirationsloch was das schreiben angeht. Hier in Nairobi ist aber alles bestens und es geht allen gut.

Es gibt einiges interessantes zu berichten aus den letzten Wochen. Heute möchte ich damit beginnen euch von einem kleinen Nebenprojekt zu erzählen. Dianes Nichte Debbi und ihr Ehemann Aram leiten die Eastern Mennonite Missions in Ostafrika und betreiben unter anderem hier in Nairobi ein wunderschönes mennonitisches Gästehaus.

Mennonite guesthouse

For ein paar Wochen fragten sie mich an, ob ich ein Video für sie erstellen könnte, welches ihren Partnergemeinden in den USA einen etwas persönlichere Einblick in ihrer Arbeit vermitteln könnte als der übliche monatliche Rundbrief. Ich hatte zwar bis dahin noch nie wirklich versucht Videos mit meiner Kamera aufzunehmen ganz zu schweigen vom Schneiden und Komponieren eines Videos. Aber neue Herausforderungen sind ja immer willkommen. Also besuchte ich Debbi und Aram, erkundete ein paar geeignete Drehorte im Gästehaus, wartete aufs güldene Abendlicht und versuchte mich daran meine ersten Videos aufzunehmen. Am nächsten Nachmittag lernte ich dann, wie leicht man mit iMovie Videos schneiden und bearbeiten kann. Musste aber auch feststellen, dass die Nachbearbeitungsmöglichkeiten bei Videos im Gegensatz zu Fotos deutlich eingeschränkter sind, wenn man keine spezialisierte Videokamera hat, die im RAW Format aufnehmen kann. Aber das Ergebnis war trotzdem einigermaßen zufriedenstellend.

Ich entschloss mich dann noch ein paar Clips in der Stadt zu drehen um ein bisschen Nairobi-Lebensgefühl zu vermitteln - siehe auch die folgenden Fotos. Zusätzlich fügten wir einen kurzen Ausschnitt von einer unendlich kitschigen DVD mit Aufnahmen des Chors der mennonitisches Gemeinde in Eastleigh in der Mitte des Videos hinzu, um das ganze Gerede etwas aufzulockern. Das Ergebnis ist recht ansehnlich, hat seinen Zweck erfüllt, ist in den Gemeinden gut angekommen und wurde mittlerweile sogar schon von über 150 Leuten auf YouTube angeschaut.

Skaters downtown Sundown in Uhuru Park View of Nairobi at Sundown

Hier nun also die Früchte meines ersten Versuches ein Video zu drehen. Viel Spaß beim anschauen, das drehen hat zumindest Spaß gemacht und war sehr lehrreich. Ich vermute es wird nicht meine letztes Video gewesen sein und ich sehe ein externes Mikrofons in meiner Zukunft.

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Tue, 03 Sep 13 00:00:00 -0700Ein neues Logo für Springs of Africahttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-09-03Leider gibt es weitere Verzögerungen durch ungeklärte Landbesitzverhältnisse in Got Osimbo, welche uns davon abhalten, mit dem geplanten Projekt voranzukommen. Aus diesem Grund konzentriere ich meine Arbeit momentan auf andere Bereiche: unter anderem administrative Arbeit für Springs of Africa.

Springs of Africa agiert nicht als übergeordnet kontrollierende, zentralisierte Entwicklungshilfe-Organisation, vielmehr ist es eine Öffentlichkeits-, Netzwerk- und Finanzierungs-Plattform für nachhaltige und lokale Entwicklungsprojekte. Springs of Africa hat das Ziel, Menschen in Ostafrika zu ermutigen und in die Lage zu versetzen, eine zukunftsfähige Entwicklung Ostafrikas eigenverantwortlich zu verfolgen und umzusetzen. Projekte sind u.a. Schulen, Mikrokredit-Initiativen, Ausbildungsprojekte in nachhaltiger Landwirtschaft, Baumschulen und in Zukunft auch der Ausbau erneuerbarer Energien, wie z.B. Biogas-Nutzung, sowie das Erlernen und konkrete Training eines nachhaltigen Lebensstils. Aber unser PR-Material ist etwas veraltet und lückenhaft und wir möchten gerne den Wert des Netzwerks für die Aktivisten verbessern. Außerdem sind in letzter Zeit Projekte aus neuen Bereichen hinzugekommen, so dass wir unser Leitbild und unsere Strukturen anpassen müssen. Eine meiner Aufgaben in diesem Zusammenhang ist die Mitarbeit in der Organisationsentwicklung und insbesondere die Neugestaltung und Neustrukturierung unserer ziemlich veralteten Internet Präsenz. Meine erste Aufgabe, um das neue Organisationsprofil zu kommunizieren, war die Gestaltung eines Logos und wir haben diese Arbeit gerade abgeschlossen. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

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Das Konzept hinter dem Logo

Im weiteren Verlauf dieses Artikels werde ich den Entstehungsprozess des Logos beschreiben. Dabei werde ich zunächst auf das Konzept und danach auf den Designprozess eingehen. Eine Idee für ein Logo zu finden, welches nachhaltige lokale Entwicklungsarbeit repräsentiert, war nicht gerade einfach. Aber mit Hilfe meiner Freundin Anika und meinem kenianischen Freund Julius fand ich schließlich nach einigem „Brainstorming“ über 2 Monate hinweg eine Idee, die mir gefiel.

Die erste Idee, die ich allerdings schnell wieder verwarf, war, dass das Logo den Namen „Springs of Africa“ (Quellen von Afrika) verbildlichen könnte. Aber mit dem Namen an sich assoziiert man nicht unbedingt, dass es um Entwicklungsarbeit geht - es könnte genauso gut um Mineralwasser gehen. Das Logo sollte also verdeutlichen, dass Springs of Africa nur wenig mit Wasser zu tun hat, sondern, dass „Quelle“ metaphorisch verstanden werden sollte. Das Logo muss bei uns ja nicht den Namen ersetzen und isoliert stehen können, wie es bei großen kommerziellen Marken wie Apple oder Polo ist. Daher entschied ich, dass es ausreicht, „Afrika“ im Namenszug deutlich hervorzuheben, anstatt ein Symbol für Afrika zu finden - insbesondere, da mir der geographische Umriss nicht besonders gut geeignet für diesen Zweck erschien.

Trotzdem wollte ich, dass das Logo mit dem Namen eine harmonische Einheit bildet. So gestaltete ich einen Wassertropfen, der die äußeren Umrisse des Logos bildet. Dieser verdeutlicht das Wasser, die Quelle in ihrer metaphorischen Bedeutung: also nicht H₂O, sondern Quelle als Metapher für nachhaltige lokale Entwicklungsarbeit. Weiterhin ist der Wassertropfen ein Zeichen für Veränderung - das Wasser in seiner sich kontinuierlich verändernden Gestalt sowie als Grundlage für Wachstums. Und Wasser steht für die Kraft und die Vielfalt der Gemeinschaft - die vielen Tropfen, die einen großen, reißenden Fluss bilden - sowie für das Potential sich auszubreiten - wie der Tropfen, der weite Kreise zieht.

Die größte Herausforderung war es, das menschliche Element der Arbeit zu repräsentieren ohne auf überbeanspruchte Stereotypen (Menschen rund um den Globus halten Händchen) zurückzugreifen. Aber die Idee mit der geöffneten Hand von unserer alten Webseite gefiel mir. Die Position der Hand ist empfangend und unterstützend zugleich, was unsere Überzeugung verdeutlicht, dass Wandel durch Individuen geschieht, die durch Training, materielle Unterstützung und Gemeinschaft bestärkt werden.

Die Vision von Springs of Africa ist es, Menschen dabei zu unterstützen, etwas zu verändern und einen nachhaltigen Lebensstil zu propagieren. Der Baum ist das universellste und eindeutigste Symbol für naturverbundenes Leben und nachhaltiges Wachstum. Als Wachstumssymbol verdeutlicht er, wie aus einem kleinen Setzling etwas Großes, Schützendes und Nährendes entstehen kann. Daher wollte ich dieses Bild, diese Metapher, im Logo verwenden.

Weiterhin hat Springs of Africa seine Wurzeln im christlichen Glauben, jedoch ist es eine säkulare Organisation. Daher wollte ich keine direkten christlichen Symbole verwenden. Aber das Logo gibt Hinweise auf die christlichen Wurzeln: Der Wassertropfen steht für das Wasser des Lebens (Johannes 4,14), die Blätter haben die Form von Flammen, ein Abbild für den Heiligen Geist (Matthäus 3,11). Sie haben auch die Farben des Regenbogens, welcher das Symbol für den Bund zwischen Gott und Menschen ist (Genesis 9,13), ein Zeichen für Gottes Liebe zu den Menschen sowie unsere Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren (Genesis 1,28 & 2,15).

Shapes and Colors

Die drei Formen - Tropfen, Hand und Baum - verdeutlichen also die Ideale von Springs of Africa. Die Farben der Blätter spiegeln die Struktur wieder: Viele verschiedene Initiativen und Akteure formen miteinander Springs of Africa. Die drei Hauptfarben - blau, grün und orange - stehen für die drei Hauptarbeitsbereiche von Springs of Africa.

The Design Process

Soweit so gut, ich hatte also eine schöne Idee für ein Logo und Diane Omondi gefiel diese auch. Jetzt musste diese also nur noch umgesetzt werden. Es war natürlich nicht ganz einfach so viele verschiedene Elemente harmonisch miteinander zu verbinden und trotzdem dafür zu sorgen, dass sie alle noch gut erkennbar sind. Mein Startpunkt war ein Logo, welches ich im Internet gefunden hatte plus eine einfache Tropfen- und Hand-Form.

First Idea

Natürlich war dies noch weit von etwas Nutzbarem entfernt. Zuerst wollte ich mich näher mit dem Element „Hand“ auseinandersetzen. Ich nahm also ein Foto meiner Hand in der gewünschten Position auf, importierte es in Photoshop, isolierte die Umrisse, fügte eine Tropfenform hinzu und malte mit dem Pinsel-Werkzeug einige Zweige. Ich stellte sehr schnell fest, dass das Zeichnen mit der Computermaus natürlich nichts taugte. Also druckte ich das Bild aus, nahm einen Bleistift zur Hand, pauste die Formen grob ab und begann zu skizzieren. Als ich einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis war, legte ich das Papier über mein iPad und fuhr die Linien mit einem Stylus nach, um eine digitale Version zu erstellen.

Sketches for the Hand

Die Übung lehrte mich, dass die charakteristischsten Umrisse einer Hand die Gelenke und Fingerspitzen sind (und auch, dass ich eine Karriere als Zeichner ausschließen kann). In dieser Skizze sah der Baum noch ziemlich schrecklich aus und auch die Form des Tropfens schien uninteressant. Ich versuchte es mit einer leicht asymmetrischen Form für den Tropfen, die sofort interessanter aussah. Als Nächstes öffnete ich das Bild auf meinem iPad, legte eine neues Blatt Papier über selbiges, nahm einen dünnen Kugelschreiber zur Hand, pauste die Formen grob durch und begann diese zu verfeinern. Nachdem ich damit fertig war, fotografierte ich das Resultat und digitalisierte die Form mit dem Zauberstab-Werkzeug in Photoshop.

Sketches for the Drop and the Tree

Nun sah der Baum zwar deutlich natürlicher aus, aber die Hand war gar nicht mehr akzeptabel. Daher fügte ich das digitale Bild der Hand erneut ein und war mit dem Gesamteindruck recht zufrieden. Auch Diane war überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg waren - ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch eine farbige Version inklusive Schriftzug erstellt. Dennoch waren wir uns darüber im Klaren, dass noch einiges an Detailarbeit nötig sein würde. Allerdings hatte ich schon mindestens 10 Stunden an dem Logo gearbeitet und so war es Zeit, eine Nacht über dem Entwurf zu schlafen.

Am nächsten Tag begann ich damit, die Umrisse der Hand und des Tropfens mit dem Pfad-Werkzeug in Illustrator zu erstellen. Der Versuch, das Astwerk auf dieselbe Weise zu erstellen, zeigte mir schnell, dass es viel zu kleinteilig war Umrisse mit dieser Methode zu verfeinern und ich nicht in der Lage sein würde wohlgeformte und ausgeglichene Blattformen zu kreieren. Also druckte ich Tropfen und Hand in großem Format aus und versuchte mich wieder mit dem Bleistift. Nach zigfachem Skizzieren und Radieren war ich schließlich zufrieden. Ich fotografierte das Resultat, fügte es als neue Ebene in Illustrator hinzu und begann, die handgezeichneten Formen mit dem Pfad-Werkzeug nachzumalen.

Harmonizing the Shapes

Jetzt war der Gesamtumriss zwar recht gelungen, aber die nächste große Herausforderung war, die Hand als eigenständiges Element sichtbar zu machen. Denn die Äste wuchsen nun direkt aus den Fingern, so waren die Fingerspitzen nicht mehr zu sehen und dadurch die Hand kaum erkennbar. Ich brauchte also einen Kontrast zwischen Fingern und Ästen. Ich versuchte alles: Abstand, Farbe, Textur, Helligkeit. Nichts schien wirklich zu funktionieren, ich versuchte es mit Variationen und Kombinationen der Methoden, wie einem Schein um die Fingerkuppen oder gegenläufigen Farb- oder Helligkeitsverläufen, aber auch das funktionierte nicht wirklich. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit eine zweite Meinung von Anika zu bekommen, was mir half, nicht ganz verrückt zu werden. Von Anfang an schien es mir die beste Lösung zu sein, einen Absatz zwischen Fingerkuppen und Ästen einzufügen, um die Formen möglichst einfach zu halten. Dadurch ging jedoch die Harmonie der Formen verloren. Nachdem ich eine weitere Nacht darüber geschlafen hatte, wurde mir dann endlich klar, was das Problem war. Es erschien, als ob die Hand eine Umrandung hatte, aber die Äste hatten keine. Also fügte ich ebenfalls einen Abstand zwischen den Ästen und den farbigen Blättern ein und siehe da: Die Harmonie war wieder hergestellt.

Spacing of Tree and Hand

Der letzte Schritt war es nun, die Farbverläufe hinzuzufügen und den Formen den letzten Schliff zu geben - man beachte die subtilen Unterschiede zwischen den Ästen in den untenstehenden Versionen. Für das Tüpfelchen auf dem i, minimierte ich dann noch die Anzahl der nötigen Pfade der Vektordatei, indem ich alle schwarzen Formen verband und die farbigen Blätter so zurecht schnitt, dass ich auf weiße Umrandungen verzichten konnte. Der allerletzte Schritt war es dann die Datei durch einen SVG Optimierer zu schicken um schlussendlich einen sehr leserlichen 21Kb langen SVG Code zu erhalten (warum Web Designer SVG benutzen sollten, ist hier zu lesen).

Finalizing Shapes and Colors

Was nun noch fehlte war eine schöne Typografie für das Logo. Nach kurzer Suche, entschied ich mich für die wunderbare geometrische sans-serif Schriftart Verlag von H&FJ, welche in 5 Stärken und 3 Weiten verfügbar ist. Ich empfand die „luftigere“ untere Seite des Logos mit einer dünneren Schrift nach und gab dem „of“ einen kleinen Schubs, um das Ganze etwas spielerischer zu machen. Das endgültige Resultat zusammen mit ein wenig Text, könnt ihr hier bewundern.

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Sat, 31 Aug 13 00:00:00 -0700Mein Nebenjob als Fotografhttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-08-31Neben Projektplanung, Energieeffizienz Analysen, Dokumentation und struktureller Entwicklung habe ich in den letzten Monaten nebenher immer wieder als Eventfotograf gearbeitet und mich einmal sogar als Hochzeitsfotograf versucht. Die Nachfrage für professionelle Fotos ist in Kenia groß, weil nicht jeder hier eine Digitalkamera besitzt und mindestens zwei Freunde hat, die ordentlich Hobbyfotografen sind. Sich kreativ zu verwirklichen hat für die meisten Menschen hier einfach keine Priorität und findet auch eher in Tanz und Musik ihren Ausdruck. Aber insbesondere für NGOs ist es natürlich essentiell Geschichten über ihre Arbeit zu erzählen und ein Foto kann häufig eine bessere und emotional dichtere Geschichte erzählen als viele Worte, indem es dem Empfänger mehr das Gefühl gibt dabei zu sein. Dies gelingt am besten, wenn ein Foto die Situation kontextuell und emotional klar genug abbildet aber auch noch genug Raum für Fantasie lässt, so dass sich der Betrachter das Geschehen ausmalen kann. Auch wenn meine fotografischen Fähigkeiten diesbezüglich noch einiges zu wünschen übrig lassen, so hoffe ich doch dass meine Fotos ein wenig Geschichten erzählen können.

IMR Medical Camp

Vor zwei Wochen hatten wir ein medizinisches Camp von International Medical Relief hier. Die Logistik vor Ort war von Diane und anderen Helfern von DOVE Africa organisiert worden. 44 Ärzte, Krankenpfleger, Krankenpflegerinnen und Freiwillige behandelten kostenlos in 7 Tagen circa 5000 Menschen, unterstützt durch zahlreichen Dollmetschern aus der Gemeinde. Von Familienplanung über sexuelle Aufklärung, psychiatrische Beratung, Medikamentenausgabe, Behandlung von Infektionskrankheiten und orthopädischer Hilfe bis hin zu Zahnwurzel Behandlungen war alles dabei. Auf dem Blog der Omondis könnt ihr mehr lesen.

Mein Beitrag war es zu versuchen die fieberhafte Aktivität, die Freude der Menschen bei der Arbeit und die Beziehungen, die im Laufe dieser Tage zwischen den medizinischen Helfern, den Dolmetschern und den Patienten entstanden, in Fotos einzufangen. Die meiner Meinung nach am besten gelungenen Fotos könnt ihr hier sehen:

Eine etwas größere Auswahl ist hier zu finden und vielleicht in Zukunft in einer IMR Broschüre oder Webseite.

Missionars Konferenz

Eine weiterer Anlass bot sich letzte Woche, als auf dem Grundstück der Omondis eine Klausurtagung aller 18 DOVE-Missionare stattfand. Die fotografische Herausforderung hier war ganz anders gelagert. Es ging nicht darum Situationen und Beziehungen einzufangen, sondern Porträtfotos anzufertigen, die es dem Betrachter ermöglichen eine Beziehung zu den abgebildeten Personen aufzubauen. Hier einige der Ergebnisse:

Da alle DOVE-Missionare als Familien operieren, nahmen wir außerdem Familienfotos auf und es gab natürlich ein obligatorisches Gruppenfoto. Die Fotos werden vermutlich demnächst auf der DOVE Website zu finden sein.

Hochzeit Jerioth & Godfrey

Vor einigen Wochen hatten wir außerdem eine Hochzeit in unserer Gemeinde und da das Budget etwas knapp war, hatte ich angeboten die Fotografie zu übernehmen. Den ganzen Tag aus der Sicht zweier Personen zu dokumentieren ist eine ganz besondere Herausforderung. Eine Auswahl meiner Favoriten in schwarz weiß könnt ihr hier sehen:

Die komplette Auswahl der Fotos von der Hochzeit ist hier zu finden. Außerdem gibt es auch ein Hochzeitsalbum (12Mb PDF, doppelseitig zu betrachten).

Auch wenn mir die Fotografie durchaus Spaß macht, so ist die Arbeit als professioneller Fotograf auch stressig und die notwendige Nachbearbeitung hunderter Fotos am Computer kann in diesem Kontext ganz schön nervig sein. Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass ich die Fotografie lieber als Hobby behalte, um sie weiterhin genießen zu können.

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Wed, 14 Aug 13 00:00:00 -0700Im Dunkelnhttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-08-14Man kann sich darauf verlassen, dass der Stom in Nairobi ausfällt, wenn es regnet. Für die meisten Menschen hier ist das extrem nervig - wa man daran messen kann, wie sehr viele Kenya Light and Power hassen, den einizgen Stromversorger in Kenia. Ganz zu schweigen von den Millionen von Euros die in der WIrtschaft durch einen Stromasufall von über zwölf stunden vernichtet werden müssen.

Candle

Aber es hat auch seine guten Seiten. Ohne Stom und damit die Möglichkeit im Internet zu recherchieren, kann ich momentan nicht wirklich meine Arbeit machen - eine Energiebilanz unseres Grundstücks in Nairobi mit dem Ziel Einsparpotentiale zu identifizieren und Emissionen und Verbräche beziffern zu können. Ohne Aufgaben verliert auch die Zeit ihre Bedeutung und man lebt mehr im Moment. Selbstverständlich ist der Effekt hauptsächlich psychologisch. Aber wenn ich so ganz im Dunkeln sitz in Bezug auf die Raumbeleuchtung und die Photonen in den Glasphaserkabel des Internets, ist meine Verbindung zur Welt quasi nicht mehr vorhanden. Dadurch scheinen die ganzen selbstauferlegten Pflichten des Alltags weniger dringend und das Leben spielt sich mehr im Moment ab und es bildet sich Raum für frische Gedanken. Kurzum, es kann eine wirkliche Inspirationsquelle sein. Insbesondere in unsere so mit Informationen übeladenen Welt, in der es die Hauptaufgabe geworden ist Informationen nutzbar zu machen und Entscheidungen zu treffen. Niemals in der Geschichte war es so einfach neue Fähigkeiten zu erlernen und niemals war es so schwer sich von all den externen Einflüssen zu befreien und eine Zeit lang mit sich selbst zu sein. Zeitwiese von all diesem Informationsüberfless zwangsgetrennt zu werden kann daher gelegentlich ganz gut tun.

Man findet Zeit für Dinge, die sonst immer liegen bleiben: Zum Beispiel um spontan einen Blogeintrag zu schreiben, den man nicht geplant hatte, sich Zeit zum lesen zu nehmen, ein Gespräch zu führen für das man sonst nie Zeit findet, im Dunkeln mit den Fingern zu essen ganz ohne lästiges Besteck, um eine Mail zu schreiben, die man schon seit Wochen aufschiebt oder um einfach mal eine Zeit lang nur so da zu sitzen und nachzudenken. Es ist also garnicht so schlecht gelegentlich mal zu einer Pause im Alltag gezungen zu werden. Alle die sich auch manchmal mit unserer so vernetzten und informationsübersättigeten Welt überfordert fühlen, kann ich nur empfehlen mal auszuprobieren einen Tag ohne Strom zu leben (das ist ein bisschen wie ein Kurzurlaub in der Natur).

Dinner in the Dark Sam at the Fire

Das ganze gillt natürlich nur so lange man noch ein iPad mit genug Batterieladung hat um einen Blogeintrag zu schreiben ;-)

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Fri, 09 Aug 13 00:00:00 -0700Als Tourist 2: Maasai Mara http://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-08-09Maasai Mara

Jetzt komme ich endlich mal dazu kurz über den zweiten Teil meine Woche mit David zu berichten. Nachdem wir Mount Kenia bestiegen hatten, blieb uns noch Zeit drei Tage lang das zu tun, wozu die meisten Touristen nach Kenia kommen: Safari (was in Swahili übrigens einfach Reise bedeutet, aber ich meine hier natürlich wilde Tiere beobachten). Maasai Mara ist vermutlich nach Serengeti der zweitberühmteste Nationalpark in Afrika und die dichte an Tieren, die man hier zu sehen bekommt ist beeindruckend.

Wir waren zusammen mit zwei US-Amerikanerinnen Brenda und Theresa aus Seattle und Seoul unterwegs (siehe Foto) und einem leicht schrägen aber sehr erfahrenen Fahrer namens Mwau. Der Tag bestand dann darin im Safaribus durch die Gegend zu fahren und Tiere zu erspähen zu beobachten und mit meinem auf dieser Reise sehr liebgewonnenen Ultrateleobjektiv abzulichten.

Our Safari Group

Da abgesehen vom Tiere beobachten wenig spannendes auf einer Safari passiert, lasse ich lieber die Bilder sprechen. Um aber ein Gefühl für die Tiervielfalt zu geben, sei hier genannt was ich erinnere gesehen zu haben: unmengen an Zebras und Gnus, viele Büffel, Giraffen, Elenantilopen, Impalas, Leierantilopen, Kuhantilopen, Thomson-Gazellen und einige Dikdiks, Warzenschweine, Steppenpaviane, Elefanten, Flusspferde und Nilkrokodile, außerdem verschiedenste Vögel, namentlich Strauße, Sekretärsvögel, Marabus, Geier, Nilgänse, Ibisse, Gabelracke und Sattelstörche.

Giraffe Zebra Impala Eland Antelope Wildebeest Waterbuffalo Elephant

Außerdem gab es natürlich einige Katzen zu sehen. Maasai Mara ist insbesondere fur seine Löwen berühmt. An die 300 Stück leben hier, was die Dichteste Population auf der Welt ist. Somit verging auch kein Tag, an dem wir keine Löwe zu Gesicht bekommen konnten. Aber neben Löwen konnten wir auch Servale, Tüpfelhyänen, einen Gepard, und einen Leopard erspähen.

The Lion Cheetah Leopard

Und natürlich muss man sich das ganze in Aktion vorstellen: die Wanderung riesiger Gnu und Zebra Herden zum Mara-Fluss, die sich faul im Schlamm suhlenden Nilpferde, in den Baumwipfeln sitzende gierige Geier Batallione, die darauf warten, dass ein Gnu von den Krokodilen getötet wird, der ritualisierte Kampf der Giraffenbullen, bei dem die Tiere nebeneinander stehen und ihren Kopf gegen den Hals des Konkurrenten schlagen, Löwen beim dösen, spielen und Jagen und vieles mehr.

Es war eine magischer Ausflug ins Reich des Königs der Löwen und unglaublich beeindruckend beobachten zu können, wie vielfältig und ingeniös das unangetastete Reich der Natur ist. Es gibt noch viele Fotos mehr zu sehen, wenn ihr Lust habt.

Wilderbeests Walking Hippos bathing Vultures Waiting Giraffes Fighting Lions Hunting

Das seltsamste Tier, welches wir im Park Herdenweise antreffen konnten, war allerdings der sogenannte Fotograf. Ein besonders schön ausgeprägtes Exemplar könnt ihr hier sehen.

The Photographer

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Wed, 31 Jul 13 00:00:00 -0700Als Tourist 1: Mount Keniahttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-07-31Mount Kenya in the Clouds

Ich bin zwar grade erst etwas länger als einen Monat hier, aber ich hatte vorletzte Woche die Gelegenheit eine Woche Urlaub zu nehmen und Tourist zu sein. Der Anlass für diesen Urlaub, war der Besuch meines Freundes und ehemaligen Mitbewohners aus Chicago Dave. Dave hat für ein Jahr in Uganda gearbeitet und eine Organisation namens Kyklou mitgegründet, die ugandischen Bauern hilft, Mais zu deutlich besseren Preisen auf dem Kenianischen Markt zu verkaufen. In seiner letzten Woche hatte Dave noch etwas Urlaub eingeplant und so hatten wir die Gelegenheit gemeinsam ein wenig Kenia zu erkunden.

Unser erstes Ziel war der namensgebenden Berg dieses Landes, Mount Kenia. Mit knapp 5000 Metern ist Mount Kenia höher als alles, was ich bisher bestiegen hatte und vielleicht auch nicht, was man klassischer weise mit einem Afrika Urlaub in Verbindung bringt. Aber es war eine der schönsten Wanderungen, die ich je erlebt habe. Wir hatten einen tollen Führer namens John und zwei Köche und Träger für unsere Lebensmittel. Ohne Führer sollte man den Aufstieg besser nicht versuchen, da der Weg insbesondere beim letzten Teil der Wanderung bei Nacht alleine nicht zu finden wäre und dass man Träger und Köche hat, ist hier nunmal so und es wäre unhöflich diese Leistung nicht in Anspruch zu nehmen, da die Leute davon leben.

Our Guide John

Wir waren dann aber doch zu stolz unsere anderen Sachen tragen zu lassen und hatten außerdem beschlossen zu zelten um etwas Geld zu sparen. Das Zelten war auch an sich gut, unangenehm war nur, dass es am zweiten Tag heftig schneite und wirklich kalt wurde. Aber mit Wärmflaschen (in diesem Fall tatsächlich umfunktionierte Wasser Flaschen) war auch das zu ertragen.

Camping at Mount Kenya Snow at Shiptons Camp

Die große Höhe ist gefährlich und es ist völlig unvorhersehbar, ob und wann man Probleme bekommt. Ich war am ersten Abend ziemlich höhenkrank und den ganzen zweiten Tag über schwächlich, konnte mich aber mit Diamox wieder aufpäppeln, einem faszinierenden Medikament, welches einen zum schnelleren Atmen bringt. Dave traf es dann am zweiten Abend, vor unserem allerletzten Aufstieg noch schlimmer und es kann gefährlich sein an diesem Punkt Medikamente zu nehmen, die dazu führen können, dass man sich völlig überschätzt und dann nicht mehr schnell genug in ein Krankenhaus gelangen kann. Es ist also zu empfehlen Medikamente vorbeugend zu nehmen, so dass sich der Körper leichter auf die Höhe einstellen kann und man nicht Gefahr geht sich zu überschätzen.

Night at Mount Kenya Night Hike

Der letzte Teil der Wanderung besteht aus einer Nachtwanderung zum Gipfel, den man bei Sonnenaufgang erreicht. In der völligen Finsternis nur von Taschenlampen beleuchtet unter einem atemberaubenden Sternenhimmel zu wandern, war eine einmalige und unglaublich schöne Erfahrung. Am Gipfel angekommen war der Blick über die in Morgensonne getauchten Berge eine atemberaubende Belohnung (siehe Foto). Insgesamt war diese drei Tages Wanderung eine der schönsten Bergtouren, die ich je erlebt habe und ich würde sie jedem wanderbegeisterten empfehlen. Die technischen und konditionsmäßigen Anforderungen sind moderat, nur die Höhe ist eine Herausforderung. Weitere Fotos von der wunderschönen kenianischen Berglandschaft, könnt ihr hier finden.

Sunrise at Mount Kenya At the Top

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Fri, 12 Jul 13 00:00:00 -0700In Got Osimbohttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-07-12Letzte Woche habe ich Got Osimbo besucht, das Dorf in welchem wir ein neues Projekt starten wollen. Uns stehen dort ca. 40.000 Quadratmeter Land (teilweise im Foto zu sehen) zur Verfügung, auf denen ein Aubildungs- und Gemeinschaftszentrum in den nächsten Monaten und Jahren entstehen und wachsen soll.

Project Area Victors Family

Der Ortsvorsteher der Region, Victor Opondo, hatte mich zu sich nach Hause ins Nachbardorf eingeladen und so hatte ich die Gelegenheit seine Familie kennen zu lernen und auch das Leben im Dorf einmal Hautnah mitzuerleben. Das bedeutet kein fließend Wasser und kein Strom. Es ist interessant, dass aus westlicher Sicht diese Dinge so grundlegend scheinen und man davon ausgeht, dass jeder der keinen Zugang zu ihnen hat wirklich arm sein muss. Hier ist das alles etwas anders. Die meisten Dörfer sind einfach nicht an die Wasser- oder Stromversorgung angeschlossen - auch wenn sich das langsam ändert. Daher ist es völlig normal ohne fließend Wasser und Strom zu leben und da die meisten Menschen hier sowieso ohne diesen Luxus aufgewachsen sind, erscheint es ihnen auch nicht als besonders armselig. Ich habe im Dorf einige Leute getroffen, die sehr gut ausgebildet sind und einen Bachelor- oder sogar Master-Abschluss haben und auch einen ordentlichen Job als Lehrer, Arzt oder in der Verwaltung haben und auch zeitweise in der Stadt gelebt haben, aber hier auf dem Land leben sie ganz selbstverständlich ohne fließend Wasser und Strom. Es ist eben eigentlich nur eine Bequemlichkeit und nicht eine Lebensnotwendigkeit.

My Bed Breakfast

Abgesehen von der äußeren Unterschiede ist das Leben im Dorf gar nicht so anders. Die Menschen arbeiten, haben Sitzungen, verbringen Zeit mit ihren Familien, trinken Chai, kochen und essen, gehen zur Schule und treffen Freunde. Die Tatsache, dass das Leben vielleicht nicht so komfortabel ist und die Menschen weniger materiellen Besitz haben macht nicht wirklich einen dramatischen Unterschied und die Menschen selbst haben auch nicht notwendigerweise das Gefühl arm zu sein. Ich denke, es liegt eher am starken Kontrast der unterschiedlichen Lebensstandards und der scheinbaren Erreichbarkeit von Reichtum in unserer Gesellschaft, dass viele Menschen bei uns unzufrieden mit dem sind, was sie besitzen, und nach immer mehr Besitz streben, obwohl sie nach hiesigem Standard reich sind. Außerdem spielt natürlich das heftige Stigma mit dem „Armut“ bei uns behaftet ist ebenfalls eine große Rolle. Es gibt einiges zu lernen vom Leben in den Dörfern hier und ich bin schon gespannt auf weitere kulturelle Erfahrungen in der Zukunft.

Auch wenn das Leben in den Dörfern meist deutlich besser ist als in den Slums, so ist es doch nicht ideal. Es gibt kulturelle Probleme wie Alkoholismus, Kriminalität und Geschlechterungleichheit, Es fehlt häufig an Bildungschancen für Kinder und an Wissen darüber, wie man effektiver und nachhaltiger Landwirtschaft betreiben kann und es gibt einige ökologische Probleme. Natürlich sind viele dieser Probleme miteinander verbunden und können letztlich nur durch die Menschen selbst gelöst werden. Unsere Hoffnung ist es einige Menschen zu befähigen diese Probleme anzugehen und gemeinsam mit ihnen tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Unsere Vision ist es, dass auf unserem Land in der Gemeinde ein Begegnungs- und Lernzentrum entsteht: Wo sich Menschen im Schatten der Bäume begegnen, wo die Menschen hart arbeiten und gute Ernten einbringen und wo der Nutzen und Wert der Fürsorge für die Umwelt sichtbar wird.

Buying Firewood Transporting Firewood

Eines der größten Umweltprobleme in den Dörfern ist das Abholzen der Bäume zur Brennholz Produktion. Die meisten Menschen sind auf Brennholz und Holzkohle zum Kochen angewiesen und viele kochen noch immer auf drei Steinen​​. Ich hatte die Gelegenheit mit Victors Frau über Koch-Praktiken zu reden. Sie benutzt verschiedene Kocher, manche davon energiesparender als andere, aber das passende Brennholz ist nicht immer leicht zu beschaffen. Wir gingen gemeinsam Feuerholz bei einer Nachbarin kaufen. Die Nachbarin war eine sehr alte Frau, deren einziges Einkommen aus dem Verkauf von ein bisschen Feuerholz bestand, welches sie selbst auf ihrem Grundstück sammelte. Das Kochen mit Holz ist auch in keinster Weise günstig. Beim Kochen auf drei Steinen benötigt man pro Tag ca. 10-15 Kilogramm Feuerholz, die für rund einen Euro zu kaufen sind. Das Kochen mit Holzkohle ist ungefähr genau so teuer. Da sich viele Menschen in den Dörfern das nicht leisten können, gehen sie illegal Holz sammeln. Manchmal laufen sie viele Kilometer und ihre Kinder müssen ihnen helfen. Zusätzlich entsteht beim Kochen auf offenem Feuer eine Menge Rauch und die Küchen haben in der Regel noch nicht einmal Fenster, das ist natürlich äußerst schädlich für die Gesundheit und tatsächlich eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit. Eine einfache Verbesserung ist ein selbst gebauter geschlossener Herd, wie ihn Victors Frau besitzt. Sie kann dadurch mit halb soviel Feuerholz kochen und es gibt auch fast keinen Rauch.

Bio digester

Die beste Alternative wäre natürlich das Kochen mit Gas. Eines der größten Probleme hierbei ist kultureller Art. Das Kochen mit Gas funktioniert ziemlich anders und muss erst einmal gelernt werden, aber die Menschen haben daran gar kein Interesse und sind neuem gegenüber skeptisch eingestellt. Die Umstellung wäre so, wie wenn wir plötzlich alles auf einem Grill kochen müssten. Zusätzlich bedarf es natürlich der Investition in einen Gasherd und eine Gasflasche, es spart allerdings auf lange Sicht auch Geld, da Gas billiger ist. Eine noch bessere Lösung als Gas zu kaufen ist es natürlich sein eigenes Gas zu produzieren. Schon wenn man im Besitz von nur zwei Kühen ist, kann man mit dem Dung genug Gas für den täglichen Bedarf zum Kochen produzieren. Ein Freund den ich im Dorf kennen gelernt hatte, Patrick, kannte jemanden in der Region, der grade eine Biogasanlage baut (siehe obiges Foto). Wir sind auch im Begriff eine Biogasanlage auf der Omondi Farm zu bauen und arbeiten mit einer Firma zusammen, die diese Anlagen vermarktet und fördert und sogar eine Biogasanlage im Angebot hat, welche aus einem Kilo Küchenabfall pro Tag schon genug Biogas zum kochen produzieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass Biogas die aussichtsreichste Alternative zum Kochen mit Holz darstellt und wir hoffen etwas zu ihrer Verbreitung beitragen zu können.

Alles in allem war mein Besuch in Got Osimbo sehr erfolgreich und ich hatte die Möglichkeit Kontakte aufzubauen zur Schule vor Ort, zu Menschen aus der dortigen Kirchengemeinde, zum Ortsvorsteher und anderen Menschen in der lokalen Verwaltung und zu ein Paar Dorfbewohnern. Weitere Fotos aus Got Osimbo gibt es hier zu sehen.

Ein paar Tage am Ufer des Viktoria Sees

On Lake Victoria Aligator

Nach meinem Besuch in Got Osimbo konnte ich noch die Albitz Familie (die Missionare ich am Anfang meiner Zeit hier kennengelernt habe) für ein Paar Tage besuchen. Sie haben sich in ihrer neuen Heimat in Kisumu mittlerweile gut eingelebt und wir hatten eine schöne Zeit zusammen: Wir waren bei einer Independence Day Party, im Gottesdienst, bei einer Einladung zum Mittagessen bei einer Familie aus der Kirche in deren dörflichem Heim, im lokalen Museums mit mini Zoo, zu Besuch bei einer NGO in Kisumu und am Ufer des Victoria-See. Außerdem gab es Pizza, asiatisches und westliches Essen und es ist immer lustig mit den Kindern zu spielen und wir hatten viele gute Gespräche. Weitere Fotos aus Got Osimbo gibt es hier zu sehen.

Dan, Noah and Andrew Gloria Sarah and Noah

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Tue, 25 Jun 13 00:00:00 -0700Der Junge, der der Kuh nachjagtehttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-06-25Der Junge rannte durch ein ausgetrocknetes Flussbett so schnell er nur konnte. Er jagte hinter einer Kuh her, einer dieser in Ostafrika typischen schlanken und gehörnten Masai Kühe. Man konnte ihm ansehen wie verzweifelt er war. Tränen liefen ihm über die Wangen und mischten sich mit dem Staub der überall war. Er war schon mehrmals hingefallen bei dem Versuch eines der Beine der Kuh zufassen zu kriegen. Es war unglaublich anstrengend sich im rutschigen Sand des ausgetrockneten Flussbetts fortzubewegen. Aber trotzdem der Junge schon einige hundert Meter gerannt war und völlig erschöpft sein musste, machte es nicht den Anschein, dass er jemals aufgeben würde.

Der Junge war 14 Jahre alt und rannte nicht nur einfach der Kuh hinterher, sondern er rannte um sein Leben. Sein Vater war Pfarrer im Dorf und versuchte nebenbei Baumsetzlinge zu verkaufen im Glauben, dass Bäume das Leben der Menschen verbessern würden. Aber er verdiente kaum genug Geld damit um seine Familie zu ernähren und diesen Monat hatte er die Schulgebühren für seinen Sohn nicht bezahlen können. Daher hatte man seinen Sohn nach Hause geschickt. Sein Vater schämte sich, insbesondere weil er wusste, dass Bildung die einzige Möglichkeit war für seine Kinder ein besseres Leben zu haben und für sein Vaterland sich zum Besseren zu entwickeln. Er hatte also mit seiner Frau zusammen beschlossen die eine Kuh, die sie besaßen, auf dem Markt zu verkaufen, um die Schulgebühren bezahlen zu können. Am nächsten Tag trieb sein Sohn also die Kuh zum Markt, der 16 Kilometer entfernt war. Es war eine harte Arbeit, weil die Kuh nicht daran interessiert war der Strasse zu folgen und die Sonne am wolkenlosen Himmel brannte. Kurz bevor er den Markt erreicht hatte, hatte sich die Kuh los gerissen und war durch das Flussbett davon gerannt. Der Junge rannte also nicht nur der Kuh hinterher, sondern er rannte für seine Bildung, seine Zukunft, sein Leben.

Der Junge hatte es endlich geschafft die Kuh einzufangen. Er war völlig fertig. Mit einer Hand hielt er die Kuh am Bein fest und mit der anderen hatte er die Wurzel eines Baums umklammert, um nicht von der Kuh davon gerissen zu werden. Bald kamen einige Frauen vorbei, die ihm halfen die Kuh zu beruhigen und ihr den Strick wieder umzulegen. Er gelangte zum Markt, wo er die Kuh für einen guten Preis verkaufte. Aber die Erfahrung brachte ihn zum Nachdenken. Einige seiner Mitschüler waren in letzter Zeit nicht mehr zur Schule gekommen. Vermutlich hatten auch ihre Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen können und hatten keine Kuh gehabt, die sie verkaufen konnten. In diesem Moment beschloss der Junge, dass er durch sein Leben etwas verändern wollte in dieser Welt, damit alle Kinder zur Schule gehen könnten, die Menschen nachhaltig ihren Lebensunterhalt erwerben könnten und die ausgetrockneten Flüsse sich wieder mit Wasser füllen und durch grüne Hügel fließen würden.

Der Junge hieß Isaac Kalua und gründete 30 Jahre später nach einigen anderen Bemühungen schließlich die 'Green Africa Foundation'. Deren Ziel ist es sogenannte 'Grüne Dörfer' in Afrika zu etablieren, welche Vorbildfunktion in den folgenden drei Bereichen haben sollen:

  1. Freundlicher und respektvoller Umgang miteinander durch Etablierung ethischer Standards und Training in Lebenskunde.
  2. Förderung einer gesunden und friedlichen Gemeinschaft durch die Schaffung nachhaltiger Lebensgrundlagen.
  3. Nachhaltiger Umweltschutz insbesondere in den Bereichen Wasser, Boden, Luft und Energie.

Visit in Kitui Green Center

Ich hatte gestern die Möglichkeit zusammen mit Dr. Kalua und einem südafrikanischen Architekten, das erste 'Grüne Zentrum' im Heimatort von Dr. Kalua in Kitui zu besuchen. Dort konnte ich Demonstrationen verschiedener 'grüner' Aktivitäten besichtigen und wir hatten viele Interessante Gespräche. Da das Konzept der 'Grünen Dörfer' bereits gut ausgearbeitet ist und sich bewährt hat, wollen wir mit der 'Green Africa Foundation' zusammen arbeiten und die Omondi Farm zu einem 'Grünen Zentrum' ausbauen und daran arbeiten Got Osimbo zu einem 'Grünen Dorf' zu machen.

Mehr Fotos aus Kitui könnt ihr auf Flickr finden. Außerdem gibt es eine Reportage des ARD über die Arbeit der 'Green Africa Foundation'.

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Sun, 16 Jun 13 00:00:00 -0700Im „wahren“ Afrikahttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-06-16Ich bin gestern Nacht aus Kitale zurück gekommen, wo ich einige bereits existierende Baumpflanz-Projekte besucht habe. Mehr dazu werde ich in einem der nächsten Blogeinträge schreiben. Diesmal möchte ich mich auf den Bericht über meine kulturellen Erfahrungen in dem, was mir als „wahres“ Afrika vorgestellt wurde, beschränken.

Kids in the orphanage

Ich übernachtete in einem Waisenhaus namens Baba Nyumbani, welches gleichzeitig auch eine der DOVE Gemeinden ist (die Kirche mit der ich hier arbeite). Es handelt sich um eines der allerbesten Waisenhäuser Kenias. Das Areal ist wunderschön gestaltet und bietet ein Zuhause für 100 Kinder und acht Eltern, welche diese betreuen. Teil der Einrichtung ist außerdem ein kleiner Bauernhof, der mehrere Hektar Ackerfläche für Mais und Gemüse, ein Gewächshaus, viele Hennen und ein paar Kühe umfasst. Die Erzeugnisse des Bauernhofs können fasst den gesamten Lebensmittelbedarf decken und die Überschüsse werden auf dem Markt verkauft. Außerdem bietet der Bauernhof den Kindern die Möglichkeit praktische Fähigkeiten zu erlernen. Das Waisenhaus war ein wunderbarer Ort um vier Tage umgeben von vielen fröhlichen süßen Kindern zu verbringen und ich hatte die Möglichkeit viele interessante Gespräche mit dem Manager Walter und dem Pfarrer des Waisenhauses Amos zu führen.

Riding the motorcycle

Tagsüber besuchte ich zusammen mit Pfarrer Williams die verschiedenen, von den Pfarrern der Gemeinden betreuten, Baumschulen in der Region, die Williams managte. Die Strassen im ländlichen Kenia sind hauptsächlich Schotterpisten, auf denen wir uns mit Williams Motorrad fortbewegten. Ich saß also drei Tage lang hinter Williams auf dem Motorrad und genoss es den Fahrtwind zu spüren, kräftig durchgeschüttelt zu werden und am Ende das Tages von Kopf bis Fuß verstaubt zu sein. Die im oberen Foto zu sehende Schotterpiste stellt dabei noch ein sehr gut erhaltenes Exemplar ihrer Gattung dar. Motorräder sind definitiv das beste Verkehrsmittel auf diesen Straßen und viele junge Männer versuchen sich mit Motorradtaxis, sogenannten boda-bodas, einen Lebensunterhalt zu verdienen. Von der Straße aus konnten wir die Männer bei der Feldarbeit, die Frauen beim Holzsammeln und die Kinder auf dem Schulweg beobachten. Die meisten Menschen im ländlichen Kenia leben von weniger als einem Dollar pro Tag und haben daher im Allgemeinen keinen Zugriff auf andere Transportmittel als ihre Füße. Das Bedeutet, dass Kinder häufig eine halben Stunde zur Schule laufen oder auch rennen. Dies ist allerdings schon eine bedeutende Verbesserung gegenüber früher. Pastor Amos erzählte mir, dass er als Schüler jeden Tag insgesamt 28 Kilometer zu Fuß zurücklegte. Die meisten Kinder müssen jeden Mittag nach Hause laufen, um etwas zu Essen zu kriegen, weil ihre Eltern morgens noch nichts haben, was sie Ihnen mitgeben könnten. Weiße kommen nur sehr selten durch diese Dörfer und nutzen erst recht keine boda-bodas. Daher stand ich natürlich immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und nicht selten liefen „Mzungu“ (weißer Mann in Kiswahili) rufende Kinder hinter dem Motorrad her.

A big African family

Wirklich jeder in dieser Region betreibt zumindest ein wenig Landwirtschaft. Die Familien sind groß, zehn Kinder sind keine Seltenheit. Geschlechter Rollen sind deutlich ausgeprägt und kulturelle Regeln sind strenger und traditioneller. So ist eine Jeans am Sonntag beispielsweise schon keine angemessene Bekleidung mehr und kurze Hosen sind sowieso generell tabu. Außerdem ist es für die meisten Christen - wie fast überall in Kenia - nicht akzeptabel Alkohol zu trinken oder zu rauchen und wenn man selber dies tuen sollte, würde man von niemandem mehr ernst genommen. Die Frauen kochen häufig noch immer auf drei Steinen und essen nicht zusammen mit den Männern, wenn Gäste zu Besuch sind. Mais, Bohnen und Gemüse wie Grünkohl sind die Hauptnahrungsmittel. Abgesehen vom Problem der Müllentsorgung leben die Menschen sehr nachhaltig und einigen geht es relativ gut und sie scheinen glücklich zu sein. Es ist sehr beeindruckend, mit wie Wenig diese Menschen sich zufrieden geben können und wie dankbar sie Gott für das sind, was sie haben. Nichtsdestotrotz ist es eine prekäre Lage, in der diese Menschen leben, denn sie haben absolut keine Sicherheiten. Wenn es nicht regnet gibt es auch nichts zu Essen und häufig haben die Menschen nicht einmal die Kenntnisse, um ein grundlegendes Bewässerungssystem zu bauen, selbst wenn ein Teich oder kleiner Bach in der Nähe ist. Trotzdem ist die Gemeinschaft in den ländlichen Regionen besser in Takt als in den Städten und es geht den Menschen meist besser. In den städtischen Gebieten gehört den Menschen häufig das Land, von dem sie leben, nicht und es kann vorkommen, dass es an einen Investor verkauft wird und sie ihre Lebensgrundlage verlieren.

Conversation and chai

Nur wenige Menschen sprechen Englisch auf dem Land, aber die Menschen sind sehr zuvorkommend und gastfreundlich. Die Pfarrer, welche die Baumschulen betrieben, die wir besuchten, boten uns häufig Chai und ungetoastetes weißes Toastbrot oder sogar eine richtige Mahlzeit an und diese Pfarrer hatten meist keinen höheren Lebensstandard als die anderen Dorfbewohner. Kenianischer Chai ist schwarzer Tee mit viel Milch und Zucker, welcher manchmal mit Ingwer und andere Gewürzen versetzt wird. Chai ist DAS national Getränk in Kenia und wird immer wenn sich Menschen treffen und nach jedem Essen angeboten.

Alles in allem war mein Besuch in Kitale sehr hilfreich um eine bessere Vorstellung vom Leben im ländlichen Kenia zu erlangen und ich habe einige Ideen entwickeln können, was genau wir in den nächsten Wochen und Monaten hier versuchen wollen umzusetzen. Aber mehr dazu ein andermal.

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Sun, 09 Jun 13 00:00:00 -0700Die Omondi Farmhttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-06-09Die letzten Tage waren so ereignisreich, dass ich kaum dazu komme zu schreiben und sich in meinem Kopf schon Artikel Ideen anstauen. Aber ich wollte euch zumindest ein bisschen über das Haus - eigentlich mehr eine kleine Farm und ein Gästehaus namens Eshel Gärten - berichten, in dem ich hier momentan lebe.

Picture of the House of the Omondis

Das ganze Areal ist ungefähr 20.000 Quadratmeter groß und umfasst das Haus der Familie Omondi, welches im oberen Foto zu sehen ist, und zwei zusammenhängende Gästehäuser, welche auf dem Foto hinten links durch die Bäume scheinen und Platz für um die zehn Personen bieten und eine eigene Küche, ein Wohnzimmer und ein Esszimmer umfassen. Das ganze Areal ist mehr als einfach nur das Heim der Familie Omondi, sondern gleichzeitig ein kleiner Bauernhof, ein soziales Wohn- und Arbeitskonzept, ein Testlabor für Baumarten, ein Treffplatz für die Kirche und ein interkulturelles Begegnungszentrum. Auf dem Grundstück gibt es einen eigenen Brunnen, welcher auch die Nachbar mit versorgt, und eine eigene Müllentsorgung - die wird hier nämlich nicht zentral geregelt. Es leben und arbeiten neben dem Omondi Ehepaar momentan drei weitere Menschen hier, die in der Landwirtschaft und in der Küche mithelfen und dafür hier Leben können, versorgt werden und ein kleines Gehalt bekommen. Außerdem sind fast immer Gäste zu Besuch für einen Abend, ein Paar Tage oder sogar länger (wie ich), die mit versorgt werden und sehr schnell Teil der Gemeinschaft werden.

Picture of the Bell Pepper Plantation Picture of the Cow Sarah Picture of the Chickens

Für den Eigenbedarf werden Tomaten, Kohl, Salat und vieles andere angebaut und in einem Gewächshaus reifen momentan viele Paprika und super intensiv schmeckender Rauke für den Verkauf heran. Außerdem gibt es Fischteiche in denen Tilapia gezüchtet wird, eine ganze Menge freilaufende Legehennen und eine alte Kuh namens Sarah, die Milch spendet. Die Erlöse aus der Farm sorgen für den Lebensunterhalt der Familie Omondi, der Angestellten und für die verschiedenen Entwicklungsprojekte der Kirchengemeinde. Außerdem wird das Land zum Testen verschiedener Baumarten für Entwicklungsprojekte genutzt.

Es ist beeindrucken, wie die Menschen hier eine nachhaltige, lokale und hauptsächlich biologische Produktion so einfach vorleben. Während es vielen von uns in Deutschland häufig schwer fällt diese Ideale umzusetzen. Durch die Frische der Lebensmittel und den hauptsächlichen Verzicht auf Halbfertigprodukte schmeckt das Essen außerdem so viel besser und das Leben der Menschen hier ist reichhaltig und erfüllt.

Ein wenig Exotisches

Um auch dem Interesse an Exotischem noch etwas Genüge zu tun, wollte ich noch ein Paar schöne Fotos mit euch teilen. Die Albitz Kinder (welche mittlerweile mit ihren Eltern nach Kisumu abgereist sind) haben vorvorgestern ein Chamäleon gefunden - es wechselt tatsächlich die Farbe und sieht mit seinen seltsamen Augen und Hörnern sehr faszinierend aus. Außerdem lebt auf dem Grundstück eine Schildkröte, welche sich mit unglaublicher afrikanischer Gelassenheit durch das Gras bewegt und mit ihrer runzeligen und vermutlich uralten Haut eine Aura der Weisheit ausstrahlt. Und natürlich gibt es auch jede Menge schöne Blumen hier, mit deren Namen ich mich aber leider in keinster Weise auskenne.

Picture of a Chameleon in the Garden Picture of the Turtle Picture of a Flower in the Garden

Wenn ihr daran interessiert seit noch mehr Fotos zu sehen, könnt ihr auf meinem Flickr Profil vorbei schauen, wo auch regelmäßig neue Fotos erscheinen werden.

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Thu, 06 Jun 13 00:00:00 -0700Ankunft in Keniahttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-06-06Gestern bin ich in Nairobi angekommen und es ist sehr schön hier. Aber eins nach dem anderen.

Picture of the Airplane

Dienstag Abend ging meine Reise von Berlin aus los. Weil das Flugzeug so leer war, konnte ich vier Sitze für mich allein belegen. Ich bin noch nie so komfortabel geflogen. In Abu Dhabi - ein sehr internationaler Flughafen - musste ich einmal umsteigen, bevor ich dann in der Mittagszeit in Nairobi ankam. Auf dem Flug konnte ich mir die Zeit mit der Lektüre eines interessanten Buchs mit dem Titel "Aka, was würdest du tun, wenn plötzlich deine Schwiegermutter vor dir stünde?" vertreiben, welches Geschichten vom Scheitern in der Entwicklungsarbeit in Westafrika erzählt und dazu ermutigt, das Scheitern nicht zu verdrängen, sondern zu erkennen, wie wichtig es ist darüber zu reden um aus den Fehlern zu lernen und andere davor zu bewahren dieselben Fehler erneut zu begehen.

Picture of my name sign

Im Jomo Kenyatta International Airport ging alles sehr schnell. innerhalb weniger Minuten hatte ich mein Visa gestempelt, mein Gepäck abgeholt und war durch den Zoll. Draußen wartete ein Kenianer namens David mit einem Schild, auf welchem "Tobias" zu lesen war. Nachdem wir geklärt hatten, dass ich aus Deutschland kam und er mir erzählt hatte, dass er ein Bild von mir in einem Anzug im Internet gesehen hatte, luden wir mein Gepäck ins Auto und fuhren aus dem Flughafen. Wir unterhielten uns angeregt über Deutschland, Kenya, Klima Phänomene und anderes. Mit der Zeit kamen einige Dinge auf, die nicht ganz zu passen schienen: so dachte er, dass ich ein Kinderheim besuchen würde und nur für einen Monat da war. Aber ich ging davon aus, dass es vielleicht ein kleines Missverständnis gegeben hatte, schließlich war er ja nur der Fahrer, der mich vom Flughafen abholen sollte. Bis dann schließlich sein Handy klingelte und jemand anrief, um genau zu sein Tobias rief an, der am Flughafen wartete abgeholt zu werden und etwas verwirrt war. Es stellte sich also heraus, dass mit dem selben Flug noch ein anderer Tobias aus Deutschland gekommen war, auch für einen Freiwilligendienst in Kenia, aber eben in einem Kinderheim und nur für einen Monat. Nachdem uns dies klar geworden war, lachten wir herzlich, drehten um und fuhren zurück zum Flughafen. Dort fanden wir den anderen Tobias, der mittlerweile Sarah aus den USA gefunden hatte, die da war um mich abzuholen und ein schönes buntes von ihren Kindern gemaltes Schild hatte, welches auf dem oberen Foto zu sehen ist. Die Tobiase wurden also ausgetauscht, alle mussten lachen und ich fuhr mit Sarah und ihrem Mann Dan zum Haus der Omondis. Fast hätte ich also statt Bäume zu pflanzen Waisen betreut.

Picture of the Albitz family

Sarah und Dan sind Missionare, die grade in Kenia angekommen sind und mit ihren drei süßen Kindern Gloria, Noah und Andrew in Kisumu leben werden. Auf ihrer Website könnt ihr mehr über ihre Vision lesen. Momentan sind sie wegen einiger Erledigungen noch in Nairobi und wohnen im Gästehaus der Omondis. Das Haus ist wunderschön mit einem riesigen Garten in dem die Kinder rumtoben und Tiere entdecken. Heute habe ich den Tag damit verbracht alles zu erkunden, mit den Kindern Schulaufgaben zu machen und zu spielen und ein Paar Mails zu schreiben. Wir kriegen morgens hier ein tolles Frühstück und uns werden zweimal am Tag frische super leckere Mahlzeiten gekocht. Momentan fühlt es sich hier an wie in den Ferien.

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Fri, 24 May 13 00:00:00 -0700Beginn meines Blogshttp://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-05-24Dies ist der Beginn meines Blogs über mein Projekt in Kenia. Gerne würde ich hier einige meiner Erfahrungen mit dir teilen, so dass eine Gemeinschaft entsteht und auch du Teil der Entwicklung werden kannst.

Zu diesem Zweck werde ich hier regelmäßig aktuelle Artikel veröffentlichen. Wenn du diese Artikel in Zukunft gerne per Mail oder Post erhalten möchtest, kannst du dich auf der Mailingliste eintrage. Außerdem kannst du das Blog auch als RSS Feed abonieren. Am 5. Juni komme ich in Kenia an, ab dann kannst du mit Neuigkeiten rechnen.

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Wed, 15 May 13 00:00:00 -0700Bäume sind Leben!http://www.tobiaslohse.de/kenia/aktuelles/2013-05-15Bäume sind Leben! Ohne Bäume verdorrt das Land und Menschen und Tiere verlieren ihre Lebensgrundlage. Bäume halten den Boden gesund, sind Nahrung und Lebensraum für Tiere, geben Holz zum Kochen und zum Bauen von Häusern, sie spenden Schatten, in dem sich Menschen begegnen, und erhalten das klimatische Gleichgewicht unseres Planeten. Der Baum ist seit jeher das Zeichen für Leben und ein Symbol für den Frieden.

Insbesondere in Afrika sind Bäume und Leben gefährdet. Unser westlicher Lebensstil beutet die Ökosysteme unseres Planeten aus, nicht nur vor unserer Tür, sondern auch in Afrika. Von dort kommen viele Ressourcen, die wir verbrauchen. Die Emissionen unseres entgrenzten Lebensstils heizen den Klimawandel an, sodass sich besonders in Afrika Dürren ausbreiten. Die Fläche, die notwendig ist um unseren Lebensstil dauerhaft zu ermöglichen - unser ökologischer Fußabdruck - ist mehr als doppelt so groß als die Fläche Europas. Wir leben auf Kosten anderer! Die Zerstörung der Lebensgrundlage in den ländlichen Regionen Afrikas führt dabei nicht nur zu Hunger, sondern treibt Menschen auf der Suche nach Arbeit in Slums. Dadurch werden soziale Netze und kulturelles Wissen zerstört und Gewalt und Kriminalität nehmen zu.

Bäume schaffen Lebensgrundlagen für Menschen, heilen die Natur und stiften Frieden. Bäume zu pflanzen ist eine Aufgabe, die wir gemeinschaftlich angehen können und bei der verschiedene Kulturen viel voneinander lernen können. Die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat einmal Folgendes zum Ausdruck gebracht:

„Wir sind dazu aufgerufen der Erde zu helfen ihre Wunden zu heilen und damit auch uns zu heilen - die ganze Schöpfung mit all ihrer Vielfalt, ihrer Schönheit und ihren Wundern zu behüten. Dies wird dann gelingen, wenn wir unseren Sinn dafür wieder entdecken, dass wir Teil einer größeren Familie des Lebens sind, mit der unsere Entwicklung untrennbar verbunden ist.“

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